Rückfall nach einer Nierentransplantation bei FSGS und MCD
Die Nierentransplantation geht mit vielen Hoffnungen einher. Die regelmäßige Dialyse entfällt und Du kannst Dein Leben wieder flexibler planen. Doch manchmal kommt die Erkrankung nach der Nierentransplantation zurück, ein sogenanntes Rezidiv. Erfahre, warum das passieren kann, wie hoch das Risiko ist und was dann zu tun ist.
Warum kann die FSGS oder MCD in der transplantierten Niere wieder auftreten?
Mit einer transplantierten Niere nimmst Du Medikamente ein, die das Immunsystem bremsen. Diese sogenannten Immunsuppressiva sollen verhindern, dass Dein Immunsystem das fremde Gewebe – die gespendete Niere eines anderen Menschen – als einen bedrohlichen Fremdkörper bekämpft. Trotzdem kann die FSGS oder die MCD in der neuen Niere wieder auftauchen. Warum das passiert, ist noch nicht ganz klar.
Rezidiv einer MCD im Nierentransplantat
Die Minimal Change Disease (MCD) ist die häufigste Ursache für ein nephrotisches Syndrom im Kindesalter, kann aber auch bei Erwachsenen auftreten. Die genauen Ursachen für eine MCD sind noch nicht ganz verstanden. Auch hier wird vermutet, wie bei der FSGS, dass das Immunsystems gestört ist.
Insgesamt ist bei einer MCD das Risiko, dass die Nieren ihre Funktion komplett verlieren und eine Nierentransplantation nötig ist, deutlich niedriger als bei der FSGS. Aber auch hier kann eine Transplantation nötig sein und in der neuen Niere ein Rückfall der MCD auftreten.
Wie hoch ist das Risiko, dass meine Erkrankung in der transplantierten Niere wieder auftritt?
Die FSGS und die MCD sind seltene Erkrankungen. Deshalb gibt es noch keine großangelegten, repräsentativen Studien, die das Risiko für einen Rückfall in der transplantierten Niere untersucht haben. In einer kleinen Studie hatte ein Drittel der Menschen mit FSGS nach einer Nierentransplantation einen Rückfall. Eine andere Studie hat systematisch die vorhandene Literatur zu diesem Thema untersucht und berechnet, wie häufig eine FSGS nach einer Nierentransplantation erneut auftritt. Demnach kommt es bei etwa 17 von 100 Erwachsenen und bei etwa 40 von 100 Kindern zu einem Rezidiv.
Für die MCD ist insgesamt das Risiko geringer, dass eine Nierentransplantation notwendig wird. Daher gibt es nur Einzelfallberichte, die ein Wiederauftreten der Erkrankung im Nierentransplantat beschreiben. Eine genaue Häufigkeit des Wiederauftretens kann daher nicht angegeben werden Im Hinblick auf die Einzelfallberichte haben Kinder ein geringeres Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung im Nierentransplantat als Menschen, bei denen die Erkrankung erst später im Erwachsenenalter diagnostiziert wird.
Was tun, wenn die Erkrankung in der transplantierten Niere wieder auftritt?
Gerade in der ersten Zeit nach einer Nierentransplantation wirst Du regelmäßig in Deinem Transplantationszentrum untersucht. So soll früh festgestellt werden, wenn etwas auffällig ist, Du zum Beispiel Wassereinlagerungen in den Beinen hast oder wieder mehr Eiweiß über den Urin ausscheidest. Ist das der Fall, kann eine Biopsie nötig sein, also die Entnahme einer Gewebeprobe aus der neuen Niere. Der Grund dafür ist, dass eine sichere Diagnose einer FSGS oder einer MCD nur durch die Untersuchung des Nierengewebes unter dem Mikroskop möglich ist.
Sollte sich bestätigen, dass die Krankheit in der transplantierten Niere wieder aufgetreten ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die Entscheidung, welche Therapie die Richtige für Dich ist, trifft Dein Behandlungsteam im Transplantationszentrum gemeinsam mit Dir. Die FSGS oder MCD kann auch in der neuen Niere nicht geheilt, nur ihr Verlauf verlangsamt werden.
Behandlungsmöglichkeiten bei einem Rezidiv in der neuen Niere können – abhängig von Deiner individuellen Situation – sein:
Immunsuppression: Die Dosierung der Medikamente, die Dein Immunsystem unterdrücken, wird gesteigert.
Kortison: Du wirst zusätzlich für kurze Zeit mit hochdosiertem Kortison behandelt.
Dialyse: Bei speziellen Dialysebehandlungen wie einer Plasmapherese oder einer Immunadsorption werden gezielt Antikörper aus Deinem Blut entfernt, also Stoffe, die Dein Immunsystem triggern.
Rituximab: Du bekommst als Infusion ein Medikament, das einen Teil Deines Immunsystems hemmt, der Antikörper herstellt.
Je nach Deiner persönlichen Situation und dem Krankheitsverlauf gibt es noch weitere, individuelle Möglichkeiten der Behandlung. Dein Behandlungsteam berät Dich ausführlich, um gemeinsam zu entscheiden, welche Therapie für Dich sinnvoll ist.
Kann auch mein Nierentransplantat seine Funktion verlieren?
Leider ist es möglich, dass die neue Niere durch den Rückfall so stark geschädigt wird, dass sie ihre Funktion verliert. Es gibt noch nicht genug Studiendaten, um zu sagen, wie häufig das passiert. Das Risiko ist aber insgesamt bei der FSGS höher als bei der MCD. Die regelmäßigen Untersuchungen im Transplantationszentrum sind wichtig, um den Verlauf der Erkrankung engmaschig im Blick zu behalten.
In aller Kürze
Eine primäre FSGS oder eine MCD kann in einer transplantierten Niere wieder auftreten. Warum das trotz einer Vielzahl von Medikamenten passiert, die das Immunsystem beeinflussen, wissen Fachleute noch nicht genau. Bei einer familiären Form der FSGS oder MCD ist das Risiko für einen Rückfall deutlich geringer. Ein Rückfall wird durch eine Biopsie der neuen Niere sicher diagnostiziert. Tritt eine FSGS oder eine MCD erneut auf, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Die Niere kann im Verlauf jedoch wieder ihre Funktion verlieren.
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